Dieses Kapitel stammt aus meinem Buch "Backpacking - Reisen ist Nebensache". In diesem einzigartigen Buch findet ihr zahlreiche weitere Geschichten und Erlebnisse aus einem verrückten Jahr in Australien und Asien, die euch einen realistischen Blick in das abgefahrene Leben eines Backpackers geben dürften.
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Nun ja, wenn es eine Wahrheit über Backpacking gibt, dann ist das diese: Plane so wenig wie möglich, denn es kommt immer ganz anders als du es planst. So natürlich auch in meinem Fall. Ich habe auf meinem Weg die Ostküste hoch nicht mal einen Stopp in Gold Coast oder Surfers Paradise eingelegt, sondern bin einfach direkt von Byron Bay nach Brisbane gereist. Surfers Paradise war von da an nur noch ab und zu Ziel für ein paar Tagesausflüge. Allerdings unweigerlich für verdammt abgefahrene Trips.
Außerdem gibt es eine Regel über Surfers Paradise. Entweder du liebst es oder du hasst es. Es gibt nichts dazwischen. Wenn man abgefahrene Partys mit Sonne, Strand, Frauen, verrückten Leuten und jeder Menge Alkohol liebt, liebt man auch Surfers. Sonst nicht. Und dem entsprechend ist man dort immer unter Gleichgesinnten und wird meistens von den Alternativen, Weltverbesserern, Müttersöhnchen und Hippies verschont, die ansonsten den Backpackeralltag immer wieder trüben.
Das erste Wochenende, an dem ich nach Surfers Paradise fahren sollte, hatte bis Samstagmorgen schon einiges für mich bereit gehalten. Mittwoch Nachmittag konnte ich nach einer Mittelohrentzündung endlich die Antibiotika absetzen und pünktlich zum Wet T-Shirt Contest in der Down Under Bar wieder Alkohol trinken. Das endete damit, dass ich selbst am nächsten Morgen auf der Arbeit noch betrunken war und einfach gar nichts hin bekommen habe. Zum Glück sind Australier im Vergleich zu uns Deutschen relativ langsame Arbeiter. Zumindest in den Firmen, in denen ich arbeitete. Selbst mit jeder Menge Alkohol im Blut und ohne Schlaf konnte ich ihr Tempo noch gut halten und fiel daher, abgesehen von dem Wodkagestank aus meinem Mund, nicht weiter unangenehm auf.
Donnerstag Abend stand ein Date mit einer extrem heißen Russin auf der Agenda, das nach ein paar Bars im Embassy Hotel endete. Natürlich nicht mit wesentlich weniger Alkohol im Blut als die Nacht zuvor. Russen können in der Tat vernünftig trinken.
Am darauf folgenden Freitag war ich so betrunken, dass ich kaum Erinnerung mehr daran habe, wo ich gewesen bin. Oder mit wem. Nachforschungen deuteten auf die Down Under Bar in meinem Hostel hin, aber endgültig wird das wohl niemals geklärt werden können. Jedoch ein einschneidendes Ereignis konnte ich aus Nachrichten in meinem Handy und gewissen Konsequenzen der Nacht rekonstruieren:
Offensichtlich war ich viel zu betrunken, um auch nur in irgendeiner Form eine Frau für diese Nacht klar zu machen. Was macht man in dieser Situation? Man wendet sich an einen seiner Booty Calls. Die vier empfangenen SMS, die den Ablauf dieser Konversation erklären dürften, waren folgende (inklusive aller Rechtschreibfehler und genutzter Sprachen):
23:42 „So so! Sehen also... Kein problem damit! Was is der plan? Immer noch im fridays... Tell me! Will b awesome 2nite!“
23:48 „Where do u wanna go? Hate hostel sex! Decide! Whatever u want!“
00:45 „So bin unten, lässte mich rein?“
00:45 – 01:07 Anrufe in Abwesenheit: 8
01:08 „Vielen dank für die scheise. Der abend war ja nicht schon beschissen genug! Arschloch“
Allem Anschein nach habe ich die Gute überredet, zum Vögeln vorbei zu kommen. Klar, wozu sonst? Als sie dann allerdings endlich an meinem Hostel ankam und wartete, dass ich sie rein schmuggel (Gäste sind nach 22 Uhr eigentlich nicht erlaubt), war ich schon längst vollkommen betrunken inklusive aller Klamotten und Schuhe auf dem Boden meines Hostelzimmers eingeschlafen. Nach 20 Minuten und jeder Menge unbeantworteter Anrufe, ist sie dann etwas angepisst zurück nach Hause.
Anscheinend bin ich einfach in jeder Art von Beziehung zu Frauen unzuverlässig. Aber ich denke, inzwischen hat sie mir vergeben.
Als ich nun also am Samstagmorgen aufwache, und das ganze Dilemma in meinem Kopf zu rekonstruieren versuche, klingelt das Telefon und mein Kumpel Neil ist am anderen Ende:
Neil: „Bruv how are you?“
Ich: „Hey mate. I got a feeling I fucked up my best booty call last night. And I got a headache. What's up with you?“
Neil: „Hehe, you crazy fucker. We are going to Surfers today, you in on it?“
Ich: „Yeah might as well, what time are you leaving?“
Neil: „We'll meet you at the station in around an hour.“
Ich: „Cool. Bring beer.“
Eine Stunde später treffe ich Met und Neil am Hauptbahnhof. Die beiden sind einfach eine Garantie für eine gute und verrückte Zeit. Und so beginnen 18 Stunden ununterbrochener Alkoholkonsum mit zwei der durchgedrehtesten Typen, die ich kenne. Es ist 11 Uhr.
11:00 Wir treffen uns an der Central Station in Brisbane.
11:01 Ich erzähle ihnen die unglaublich bescheuerte Geschichte davon, wie ich in der Nacht zuvor eine der besten Fickbeziehungen in Australien für immer los geworden bin.
11:05 Met und Neil liegen vor Lachen fast auf dem Boden. Ich finde dass eigentlich gar nicht so witzig.
11:10 Wir besorgen uns unsere Tickets und stellen fest, dass der nächste Zug erst in 25 Minuten geht.
11:12 Ich bin der festen Überzeugung, dass Australiens Gesetze gegen Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit nur für Australier gelten und bestehe darauf, augenblicklich einen Bottle-Shop aufzusuchen.
11:20 Wir öffnen unser erstes Bier des Tages und machen uns auf den Weg zurück zum Bahnhof.
11:30 Die Leute auf dem Bahnsteig werfen merkwürdige Blicke auf unsere geöffneten Bierflaschen.
Anscheinend erkennen sie nicht, dass wir Europäer sind.
11:35 Nach jeweils zwei Bier fahren wir endlich mit dem Zug los Richtung Surfers Paradise.
11:40 Auch die Leute im Zug scheinen eher selten Menschen in der Öffentlichkeit Alkohol trinken zu sehen... morgens um halb zwölf. Kommt schon, das hier ist schließlich nicht Amerika!
12:20 Wir haben kein Bier mehr. DER VERDAMMTE ZUG SOLL SCHNELLER FAHREN!
12:40 Endlich angekommen. Nächster Halt: Bottle Shop.
12:41 Verdammte Scheiße, wir sind an der falschen Station und es gibt weit und breit keinen Bottleshop. Man kann die Skyline der Goldcoast zwar schon sehen, betrunken werden wir davon aber auch nicht.
12:45 Wir finden einen Bus Richtung Strand.
13:17 Im Bus scheinen ein paar leckere Australierinnen zu sitzen. Die Stimmung erholt sich.
13:28 Die Australierinnen sind offensichtlich nicht Single und mit ihren Freunden unterwegs. Ich verspüre den Drang, wahllos fremdes Eigentum zu zerstören.
14:00 Endlich sind wir im Herzen von Surfers Paradise, gerade rechtzeitig, um nicht wieder komplett nüchtern zu sein.
14:10 Wir stürmen wie wilde Tiere in den ersten Bottleshop und decken uns mit jeder Menge Toohey's Extra Dry ein.
14:15 Neil will sich etwas zu Essen holen. Weichei, Eating is Cheating.
14:16 Während wir warten, verputzen Met und ich das nächste Bier.
14:17 In unmittelbarer Nähe läuft ein Polizist in unsere Richtung. Ich will meine Theorie über australische Gesetze nicht unbedingt in der Praxis testen und verstecke das Bier natürlich. Met schüttet sich vor Schreck ein halbes Bier über das T-Shirt.
14:40 Wir erreichen endlich den Strand von Surfers Paradise. Es ist brechend voll. In der Nähe einer Gruppe Brasilianerinnen finden wir ein brauchbares Plätzchen in der Sonne. Das ist der einzige Nachteil in Surfers: Die Wolkenkratzer fangen am frühen Nachmittag an, Schatten auf den Strand zu werfen.
14:45 Es gibt genau eine einzige Fette unter den Brasilianerinnen. Welche wackelt wohl tanzender Weise mit ihrem widerlich fetten und faltigen Arsch in unsere Richtung?
14:46 Ich verleihe meinem Unmut über diesen abstoßenden Anblick mit einer Reihe Schimpfwörter Ausdruck.
14:47 Weder die Fette noch ihre männlichen Begleiter, die einige Momente vorher aus dem Wasser zurück kamen, scheinen meine Ausdrucksweise angemessen zu finden. Whatever. Es gibt für Fatty heute nur drei Optionen: Zu hause bleiben, Weight Watchers oder die Sprüche ertragen. Alkohol und unser Vergnügen haben im Moment eine höhere Priorität als ihre dicke Seele.
15:00 Während Neil mit irgendeiner Tussi telefoniert, geht Met und mir der Biervorrat aus. Neil ist erst bei seinem Zweiten? Unwürdiger Versager, wir bedienen uns an seinem Bier.
15:05 Offensichtlich will Neil sich später noch mit der Dame am anderen Ende der Leitung treffen. Warum muss dieser Typ immer Einen auf verliebt machen? Met erzählt ein paar großartige Geschichten aus ihrer Zeit vor Brisbane und wir können nicht anders, als über ihn zu lachen. Er ist offensichtlich aufgrund von Alkoholmangel etwas genervt von uns.
15:10 Neil will sich mit der Tussi zum Vögeln treffen. Wir sind zwar nicht beeindruckt, stimmen aber letztendlich zu, ihm eine halbe Stunde frei zu geben. Da wir kein Bier mehr haben, machen wir uns auf den Weg, um Nachschub zu organisieren.
15:15 Unterwegs kommt uns an einem Kreisverkehr ein tiefer gelegter Low-Rider mit einem Haufen 50-Cent Imitationen entgegen. Natürlich provoziere ich sie mit verachtenden HipHop Geesten und abwertenden Sprüchen. Sie sind seehr wütend, können allerdings aufgrund des Verkehrs nicht anhalten, um uns in den Arsch zu treten. Ein wundervolles Land.
15:20 Das Bier scheint in Zusammenarbeit mit der Sonne seinen Job zu tun. Ich bin so breit, dass ich Met auf die Schuhe pisse, als ich versuche, aus einem Meter Entfernung in sein Pissoir zu treffen.
15:40 Wir haben neues Bier und stehen bei McDonalds in der Schlange. Während ich etwas bestelle, holt Met aus seinem Rucksack sein eigenes Essen raus und verputzt es. Der Typ tut alles, um noch mehr Muskeln aufzubauen und das bedeutet, neben täglichem Training das richtige Essen. Immer, auch mitten im McDonalds. Das sollte doch neben unserem rücksichtslosen und betrunkenen Verhalten reichen, um raus zu fliegen...
15:50 Der Manager ist nicht begeistert und bittet uns zu gehen. Ich kläre ihn darüber auf, dass ich zahlender Kunde bin und wir darum blieben werden. Er weist uns darauf hin, dass Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit in diesem Bundesstaat verboten ist und droht mit dem Hinzuziehen der örtlichen Polizei. Bei unserem offenen Bier durchaus ein schlagendes Argument.
16:15 Zurück am Strand sind Met und ich uns einig, dass es Zeit ist, ein paar neue Bekanntschaften weiblichen Geschlechtes zu machen.
16:20 Der verdammte Strand ist voll von Asiatinnen!
Es ist vorteilhaft und lobenswert, dass Mädchen asiatischer Abstammung meistens klein, sehr dünn und außerdem unglaublich laut im Bett sind. Leider ist ihr Englisch in den meisten Fällen aber so unbeschreiblich schlecht, dass jegliche Interaktion auf verbaler Ebene die reinste Tortur ist. Wer hat schon Lust seinen Dolmetscher zum Weiber aufreißen mit zu bringen?
16:50 Wir haben erfolgreich die letzten weibliche Wesen am mittlerweile schattigen Strand von Surfers Paradise erschrocken und angewidert fliehen lassen. Wie schaffen wir dass bloß immer, wenn wir unnütz viel Alkohol getrunken haben?
17:05 Da die nächsten Sixpacks leer sind, ist es Zeit für einen Ortswechsel. Met und ich finden einen Irish Pub an der Promenade.
17:06 Ich bin sehr überrascht, dass die Türsteher uns in diesem Zustand anstandslos rein lassen. Ob dass eine gute Entscheidung ist, bleibt abzuwarten.
17:15 Mein Billardtalent verringert sich anscheinend mit jedem weiteren Tropfen Alkohol, der in meinen Körper eingeflößt wird. Ich ignoriere diese Tatsache vollständig und beschließe, dass allgemeingültige Billardregeln heute nicht für mich gelten.
17:25 Zu irgendeinem unbestimmten Zeitpunkt scheint sich eine fremde Person süd-amerikanischer Herkunft zu uns gesellt zu haben und spielt nun ebenfalls Billard mit uns.
17:30 Plötzlich kommt Neil zur Tür rein. Stimmt ja, wir waren ursprünglich zu dritt.
17:32 Anscheinend hatte Neil mich auf dem Handy angerufen, um unseren aktuellen Aufenthaltsort bei mir zu erfragen. Ich wundere mich ziemlich überrascht über meine offensichtlich korrekte Antwort. Im Moment bin ich betrunken genug, um nicht einmal zweifelsfrei bestimmen zu können, in welcher Hemisphäre ich mich aufhalte.
17:45 Ich finde mich in einer Konversation mit Neil und dem fremden Südamerikaner wieder, während Met mit einer der Kellnerinnen flirtet. Zeit ihm Gesellschaft zu leisten.
17:50 Met und ich stehen an der Bar, Arme um einen der Türsteher gelegt und lassen abwertende Sprüche über die unattraktiven Kellnerinnen ab. Der Türsteher ist nach wie vor erstaunlich freundlich und ruhig. Vielleicht verspürt er die gleiche Abneigung gegen hässliche Frauen wie wir. Ich mag ihn.
18:00 Ich stehe auf dem Klo und pisse so gut wie überall hin. Außer in das Pissoir. Außerdem finde ich sehr zu meiner Überraschung eine fremde Sonnenbrille in meiner Tasche. Da sie weder stylisch noch teuer aussieht und nicht mir gehört, versenke ich sie in der Toilette. Zu einem späteren Zeitpunkt wird sich herausstellen, dass sie dem Südamerikaner gehörte. Wie sie in meine Tasche kam ich nach wie vor ungeklärt.
18:10 Met und ich spielen ohne erkennbares System oder Regelwerk Billard und schreien jedes menschliche Wesen in unserem näheren Umfeld an. Der bisher so freundliche Türsteher bittet uns zu gehen. Ich hasse ihn.
18:12 Da der Laden scheiße und jeder der Anwesenden ein Versager ist, fällt es uns nicht schwer der Aufforderung zu gehen folge zu leisten. Ich nehme die schwarze 8 mit – als kleines Souvenir an eine Bar, an die ich mich später nur noch bruchstückhaft erinnern werde.
18:20 Wir sitzen draußen vor der Bar. Und haben keine Ahnung wo Neil ab geblieben ist. Wahrscheinlich in der Bar. Überprüfen können wir das aber leider nicht mehr. Wir haben beide Hausverbot.
18:45 Neil kommt raus und ist nicht glücklich, dass wir bereits vor Sonnenuntergang aus einer Bar fliegen. Er sollte unbedingt mehr Trinken um unsere Definition von Spaß zu teilen.
19:30 Tatsächlich bekommen wir Neil bei einem weiteren Sixpack Tooheys auf einen brauchbaren Level. Dies hat natürlich zur Folge, dass die letzte Stimme der Vernunft auf unserem Trip für immer verstummt. Und führt somit sofort zu einer der definierende Situationen meines Australienaufenthalts.
Neil und Met hatten zuvor im Fernsehen einen Bericht über australische Jugendliche in den High School Ferien gesehen. Bei den Interviews nannten einige der Australierinnen für ihre Ferien solch erstrebenswerte Vorhaben wie „einen Dreier mit zwei völlig fremden Männern haben“ und „so viele Schwänze wie möglich lutschen“. Ergo: Wir machen uns augenblicklich auf die Suche nach einer Party mit australischen High School Kids.
Hier kommt einmal wieder die wundervolle Logik betrunkener Backpacker zum Zuge. Wo finden Partys statt? In Wohnungen. Was tun wir also? Rennen einfach in irgendein Wohngebäude. Und hoffen eine Party zu finden. Und hoffen widerstandslos daran Teil nehmen zu dürfen. Und hoffen dort Frauen zu treffen, die gerne in ihren Ferien „so viele Schwänze wie möglich lutschen“ möchten. Na, dann kann ja absolut NICHTS mehr schief gehen.
19:55 Wir stehen vor einem 14-stöckigen Wohngebäude irgendwo in Surfers Paradise und sind voller Zuversicht, dort drin eine der verheißungsvollen sozialen Events zu finden.
19:57 Nach dem Druck einiger willkürlich gewählten Klingeln, öffnet sich die Eingangstür.
20:00 Im ersten Stock ist weder laute Musik noch sonst ein Zeichen einer Party zu erkennen. Nur ein großer Flur mit verschlossenen Wohnungstüren. Auf in den nächsten Stock.
20:20 Wir erreichen das oberste Stockwerk und unsere Suche ist nach wie vor erfolglos. Die Sinnlosigkeit dieser Aktion eröffnet sich unseren vollkommen Alkohol-überfluteten Gehirnen nach wie vor nicht wirklich. Nicht nur, dass wir uns auf gut Glück in einem willkürlich gewählten Wohngebäude befinden. Man darf doch bezweifeln, dass selbst in Surfers Paradise eine Hausparty vor halb neun Uhr Abends eine Dimension erreicht, die wir über die gesamte Etage wahrnehmen würden. Oder wir auf dieser imaginären Party - nach 9 Stunden kontinuierlichem Alkoholkonsum – auch nur ansatzweise ins Publikum passen würden.
Neben den Überwachungskameras vor dem Eingang, in den Fluren und im Fahrstuhl, sowie den gut zehn Anwohnern, die wir in den letzten zwanzig Minuten getroffen haben, klingelt Met auf dieser letzten Etage dann noch an zwei Türen, um noch mehr Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Um so verwunderlicher ist es da, dass die folgende Aktion kein ernsthaftes juristisches Nachspiel für uns hatte:
20:25 Met verschwindet in einer Art Abstellkammer im Flur des vierzehnten Stocks. Neil und ich beraten über das weitere Vorgehen für diesen Abend.
20:26 Plötzlich und ohne Vorwarnung ertönt ein lautes Zischen direkt vor uns. Von einer Sekunde auf die andere ist alles um uns herum in dichtem, weißen Nebel gehüllt. FUCK... ich kann nicht mehr atmen!!
20:27 Ich huste mir die Seele aus dem Leib, als ich durch den Nebel Met erblicke. Mit einem Feuerlöscher in der Hand. Noch bevor ich einen weiteren Gedanken fassen und das Geschehen verarbeiten kann, ertönt das nächste, ebenso unerfreuliche Geräusch. DER FEUERALARM.
20:28 Verdammte Scheiße Met, ist es nicht noch zu früh dafür? Neil sprintet in den Fahrtstuhl. Ich kann mich daran erinnern, dass man im Feuerfall auf keinen Fall einen Fahrstuhl benutzen soll. Dass es kein wirkliches Feuer gibt, bleibt dabei natürlich unbeachtet.
20:30 Mit pumpendem Adrenalin stürmen Met und ich durch das Treppenhaus die vierzehn Stockwerke nach unten. An einer Stelle stolpere ich, reiße meinen Flip Flop kaputt und verletzte mich am linken Fuß. Natürlich renne ich trotzdem weiter, um aus dem Gebäude zu kommen.
20:33 Wir erreichen das Erdgeschoss und stehen vor einer Stahltür. Die wir nicht öffnen können! Wäre dies ein echter Hausbrand, wäre ich nun ernsthaft um mein Leben besorgt. Im Moment gilt meine einzige Sorge meiner Zukunft durch die juristischen Folgen dieses kleinen Zwischenfalls. Wir rennen die Treppe wieder hinauf, um einen Stock weiter oben den Fahrstuhl zum Ausgang zu nehmen.
20:34 Im Treppenhaus kommen uns Anwohner des Gebäudes entgegen, die ebenfalls aus Angst vor dem Feuer ihre Wohnung verlassen haben. Laut ihrer Aussage gibt es wahrscheinlich einen Knopf zum Öffnen der Feuertür. Die Gleichung „14 Stockwerke x 10 Wohnungen x geschätzte 2 Einwohner pro Wohnung = circa 280 Personen“ beruhigt mich. Sie werden nicht wissen, dass wir keine Anwohner dieses Gebäudes sind.
20:35 Tatsächlich, die Tür öffnen sich über einen kleinen Knopf an der Wand und wir gelangen nach draußen. Vor dem Gebäude haben sich bereits eine Vielzahl Anwohner eingefunden. Einige haben wir mit diesem kleinen Spaß offensichtlich im Bett oder im Badezimmer „überrascht“.
20:36 Als zwei ausgewachsene Feuerwehrfahrzeuge auf dem Hof einbiegen, wird mir das Ausmaß dieser kleinen Unüberlegtheit noch etwas besser bewusst. Ich denke, es ist Zeit zu verschwinden.
20:37 Da Neil nirgendwo zu sehen ist, machen wir uns langsam und unauffällig auf den Weg, den Tatort zu verlassen. Wir entfernen uns über den Parkplatz des Gebäudes von der mittlerweile beträchtlichen Menschenmasse weg und geben Gas. Um nach zwanzig Metern vor einem Zaun zu stehen. SHIT! Wir sind auf einen scheiß Parkplatz gelaufen. Der zu eben dem Gebäude gehört, das dank uns gerade evakuiert wird.
20:38 Unser missglückter Fluchtversuch scheint nicht komplett unbemerkt geblieben zu sein. Als wir aus der Sackgasse zurück Richtung Straße an der Feuerwehr und den Anwohnern vorbei schleichen, werden wir von einer unbekannten Stimme aufgefordert stehen zu bleiben. Da ich keine Polizei erkennen kann, werde ich dieser Aufforderung bestimmt nicht Folge leisten. Nach einem „We don't speak English!“ biegen wir hinter eine Mauer auf die Straße und rennen so schnell wir können.
20:40 Ich weiß nicht, ob ich Lachen oder Met töten sollte für diese Aktion. Naja, jetzt, wo es zu spät ist, muss ich eigentlich auch lachen. Allerdings kann ich keinen Meter weiter laufen. Nicht nur, dass diesem kleinen Barfußsprint unzählige Treppen aus dem vierzehnten Stock voran gingen – jeder Schritt fühlt sich an, als würden die Knochen in meinem Fuß weiter auseinander brechen.
20:41 Eine kleine Untersuchung gibt Aufschluss: Die Innenseite meines Fußes ist komplett geschwollen und blau.
20:45 Nachdem wir uns unauffällig und in normalem Tempo einige hundert Meter weiter von dem Gebäude entfernt haben, verschwinden wir in einer belebten Einkaufsstraße. Wir kombinieren, dass wir hier schwerer zu finden sind, sollte wirklich Jemand nach uns suchen. Langsam verlässt mein Adrenalinspiegel den lebensbedrohlichen Bereich. Ich brauche neue Flip Flops.
20:55 Wir finden einen Schuhladen und können mittlerweile herzlich über die Aktion lachen. Scheiße, wer kann schon von sich behaupten, betrunken ein Wohngebäude mit über 200 Menschen evakuiert zu haben – ohne Feuer!
20:57 Während ich mir neue Flip Flops anziehe, scheint Met für den Tag noch nicht genug Scheiße gebaut zu haben. Er hat ganz offensichtlich ein Auge auf ein recht ansehnliches Paar Turnschuhe geworfen.
20:59 Ich habe meine neuen Flip Flops bezahlt und warte auf ihn. Nachdem er die Turnschuhe anprobiert und mir vorgeführt hat, packt er seelenruhig sein altes Paar in den Schuhkarton. Er stellt den Karton zurück ins Regal und verlässt zusammen mit mir kommentarlos, aber in entschlossener Geschwindigkeit, den Schuhladen. Ich kenne Met schon relativ gut, aber heute Nacht bin ich aufs Neue beeindruckt und schockiert zusammen. Das Bemerkenswerte an solchen Aktionen ist, dass Met sie einfach durchzieht als wäre es das Normalste der Welt. Er macht keine große Sache daraus, geht nicht besonders darauf ein, wenn man drüber lacht und erzählt es auch nicht von sich aus seinen Freunden. Es scheinen für diesen Typen einfach keine außergewöhnlichen Dinge zu sein. Und auch, wenn ich viele dieser Dinge nicht unbedingt selber machen würde, hört man doch irgendwann auf, sich drüber zu wundern.
21:10 Das viele Rennen und Adrenalin hat meinen Kopf wieder bedrohlich klar werden lassen. Keine gute Idee in dieser Nacht. Wir bewaffnen uns mit neuem Bier. An der Kasse im Bottleshop werfe ich einen Blick auf mein Handy und sehe mehrere Anrufe in Abwesenheit. Von Neil. Achja. Da war ja noch jemand.
21:25 Wir treffen uns mit Neil vor einem Hungry Jacks (die australische Version von Burger King) und bestellen etwas zu essen.
21:28 Während Neil und Met ihre Burger schon haben, warte ich nach wie vor.
21:30 Ich bin weder geduldig noch nüchtern genug, um länger zu warten und frage die offensichtlich minderjährige und überforderte Bedienung genervt nach meinem Burger:
Ich: „Mate, where is my fuckig food. It's taking ages!“
Bedienung: „Ehm, you had the two double cheeseburgers?“
Ich: „Damn right. Can't be that hard to make two fucking burgers right, can it?“
Bedienung: „But... we already made them... I think your friend took them.“
Ich: „What?? Are you fucking kidding me? I don't give a shit because I don't pay you to think or to give burgers to my friends. I pay your cheap ass to fucking give MY fucking burgers to ME!!“
Meine Tonlage erregt unweigerlich die Aufmerksamkeit anderer Gäste und des Managers.
Manager: „Is there a problem, Sir?“
Ich: „Your staff is not able to serve two fucking cheeseburgers to the right person!“
Bedienung: „One of his friends got them already.“
Manager: „Is that true?“
Ich: „What? No! Listen mate, I just got evacuated from my apartment building because some punks triggered the fire alarm, so get me my fucking food before I pull down my pants and shit on your floor.“
Der Manager ist ratlos und händigt mir endlich meine Burger aus. Als ich mich nach draußen zu meinen Freunden setze, wird allerdings klar, dass die eingeschüchterte Bedienung durchaus im Recht war. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht verdrückt Met einen Double Cheeseburger:
Met: „Hahaha, what took you so long?“
Anscheinend hatte er sich wirklich die Tüte mit meinem Burgern geschnappt, ohne dass ich oder die Bedienung es gemerkt haben. Hat dieser Typ immer noch nicht genug angestellt? Ich bin stolz auf ihn.
Wir verbringen die nächste halbe Stunde mit einer Verschnaufpause und jeder Menge Bier. Mittlerweile können wir uns wirklich köstlich über die Aktion in dem Hochhaus auslassen. Ich frage mich, ob die Anwohner inzwischen wieder in ihre Wohnungen dürfen und die Polizei bereits die Verbrecherkartei nach Mets Fingerabdrücken vom Feuerlöscher durchsucht. Zumindest bin ich zuversichtlich, dass wir für einen Abend genug Scheiße erlebt haben. Oh Boy, how wrong you are...
22:05 Wir machen uns weiter auf den Weg durch die mittlerweile vom Nachtleben gefüllten Straßen von Surfers Paradise. Und als ob diese Nacht nicht schon genug für uns bereit gehalten hatte, scheinen wir einfach von einer Situation in die nächste zu stolpern:
22:20 Um unsere Ärsche von der Straße zu bekommen und nicht noch mehr Unheil anzurichten, versuchen wir unser Glück in einem Club. Ich kann mich nicht daran erinnern was es war, dass ich sagte. Aber es veranlasste den Türsteher dazu, mich mehrere hundert Meter die Straße runter zu jagen. Und das vermutlich, um mir Schmerzen zu zufügen. Laut Met und Neil, die während dessen lachend vor dem Club standen, anstatt mir zu helfen, habe ich irgendetwas Abwertendes über seine Mutter gesagt, als er uns aufgrund unseres alkoholisierten Zustandes nicht rein lassen wollte. Meinem ohnehin verletzten Fuß tat das natürlich sehr gut.
22:50 Während Met und Neil sich aus einem unbekannten Grund mit ein paar Dänen unterhalten, flirte ich mit einer Gruppe von drei Australierinnen. Anscheinend veranstalten sie eine Art Junggesellinnenabschied. Und natürlich mache ich mich an die zukünftige Braut ran. Sie scheint meine betrunken-freche Art nicht komplett abstoßend zu finden. Jedenfalls habe ich meine Hand an ihrem Arsch und ihre Zunge in meinem Mund, bis ihre Freundinnen sie unsanft von mir entfernen und in der Menge verschwinden. Mist, ich hasse Cock Blocks.
23:00 Wir werden auf zwei Promoschlampen aufmerksam, die ihre unechten Brüste in einem knappen Bikini präsentieren und irgendetwas auf der Straße verteilen. Natürlich lassen wir uns von unseren Schwänzen leiten und stürzen uns auf sie. Und leider sind die Beiden genau so dumm im Kopf, wie das Klischee es vorschreibt. Ihr kennt diese sehr attraktiven Frauen, denen man trotzdem jedes Wort mit einem Vorschlaghammer wieder in den aufgespritzten Mund zurück prügeln möchte? Ja, gegen einen IQ unter 25 helfen auch falsche Brüste und hochhackige Stiefel nichts. So sehr ich es versuche, aus diesen Frauen auch nur einen intelligenten Satz raus zu bekommen, es scheint einfach unmöglich. Trotzdem lässt Met natürlich ein Erinnerungsfoto mit uns und den beiden Promos machen. Als wir unser Bild haben, fragt eine junge Mutter ebenfalls nach einem Foto, da ihre kleine Tochter auch gerne eins hätte. Da ich ein guter Mensch bin, erkläre ich dem kleinen, höchstens acht jährigen Mädchen, dass sie sich solche schwanzlutschenden Kelly Bundys lieber nicht zum Vorbild nehmen sollte:
Ich: „Look, you don't want to be like that. If you work really hard in school from now, you can become a girl that is worth respecting one day. That way you won't have to sell your soul and your body out on the streets like these two will-soon-be-hookers. Have a good night.“
Weder das Kind, noch die Mutter, noch die beiden Bimbo-Hoes brachten irgendetwas raus, außer mich mit offenem Mund anzustarren. Ich kann manchmal nicht anders als meinem Frust darüber, dass Intelligenz und Schönheit sich im weiblichen Körper nicht kombinieren zu lassen scheinen, Ausdruck zu verleihen.
23:35 Es wird Zeit, den Rückweg anzutreten, da die Züge nicht die ganze Nacht fahren. Leider haben wir keine Ahnung, wie wir zum Bahnhof kommen sollen. Da jeglicher Versuch, Fremde nach dem Weg zu fragen, anscheinend in einer weiteren Katastrophe zu enden scheint, gehe ich in einem SevenEleven Store und frage den Kassierer. Als ich also da stehe und mich freundlich erkundige, tut Met erneut, was er am besten kann. Wortlos kommt er in den Laden spaziert, öffnet die Kühltruhe, nimmt sich drei Schokoladeneis heraus, und verlässt den Laden ohne zu bezahlen. Der ungläubige Blick des Verkäufers trifft meine Augen. Und verwandelt sich augenblicklich zu einem bösen Blick:
Er: „DID YOU KNOW THIS GUY?“
Ich: „Eh, what? No! I just want to know the way to the station!“
Er: „DO YOU THINK THIS IS FUNNY?? I'M CALLING THE POLICE!“
Ich: „No, Hey, Wait!!“
Ok, vielleicht sollte ich verschwinden. Ein weiteres Mal renne ich in dieser Nacht mit meinem verletzten Fuß durch Surfers Paradise, um nicht dank meiner kaputten Freunde mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen.
Als ich die Beiden einhole, drückt Met mir freundlich grinsend ein Eis in die Hand:
Met: „Thanks for distracting him, I could kill for ice cream!“
Ich: „Yeah, thanks for letting me in on it you asshole!“
Met: „Hey, it needed to look natural! Eat you ice cream, it's melting.“
Wir schaffen es ohne weitere Zwischenfälle tatsächlich in den Zug und bis nach Brisbane. Nach einem kurzen Nickerchen im Zug, bin ich wieder ziemlich fit und voller Tatendrang. Met verzieht sich in ein Internetcafe, während Neil und ich die nächste Runde in der Down Under Bar einläuten. Es ist ungefähr halb 3 Uhr morgens.
Im Down Under bietet sich uns das übliche Bild. Einige vertraute Gesichter aus dem Hostel, jede Menge Backpacker und einige heiße Frauen. Wir sind in unserem Element. Auf die Tanzfläche, ein paar Kurze an der Bar, drei Runden Bier beim Billard, Flirten an der Bar, wir laufen selbst nach fast 16 Stunden Alkohol und Chaos noch zu Hochtouren auf.
03:15 Ich stehe an der Bar und flirte mit einer süßen Amerikanerin aus L.A. Es läuft großartig und in Gedanken habe ich die Vereinigten Staaten schon auf meiner Nationalitäten-die-ich-gefickt-habe-Liste abgehakt. Neil scheint sich auch etwas zum Spielen besorgt zu haben.
03:30 Neil unterbricht mich beim öffentlichen Vorspiel mit einem wichtigen Anliegen:
Neil: „Mate, I need to go to the toilet...“
Me: „Yeah thanks for informing me. But just for the records: We are men and can therefore use the bathroom without our friends! I'm a bit busy here.“
Neil: „No listen bruva, there is this girl. She is brasil and her crazy ex-boyfriend is running around in here. He is pretty mad so I need you to have an eye on here while I piss.“
Me: „Fuck, why can't you go for normal girls? Which one is it?“
Er stellt sie uns vor und ich stimme zu, kurz auf sie aufzupassen, während Neil den Hinterhof wässert.
03:37 Wie es scheint, hätte Neil sich mehr Sorgen um sich selber machen sollen. Aus dem Augenwinkel nehme ich eine leicht eskalierende Situation mitten in der Bar war: Es sind Neil und ein extrem wütender und großer Brasilianer. Beide brüllen und gestikulieren in einer bekannten Art und Weise, die bei Betrunkenen in der Regel Gewalt nach sich zieht. Das Mädchen, das Neil bei uns abgestellt hatte, scheint das Spektakel noch nicht bemerkt zu haben:
Ich: „Is that your ex-boyfriend over there shouting at my mate?“
Sie: „Oh my god, what is he doing? You need to stop them! He's gonna kill him!“
Ich: „Great...“
Ich versuche einzuschreiten, um Schlimmeres zu verhindern, leider zu spät. In der Sekunde, in der ich mich durch die versammelte Menge zu den Beiden durchdrängeln kann, holt der Brasilianer aus und verpasst Neil eine filmreife Kopfnuss auf die Nase. Neil fliegt natürlich augenblicklich rückwärts gegen einen Haufen Leute und landet auf dem Boden. Bevor der Brasilianer ihn auch noch treten kann, springe ich zwischen die Beiden, kann ihn etwas zurück schupsen und versuche die Situation zu beruhigen. Der betrunkene Brasilianer ist uneinsichtig und offensichtlich darauf aus, meinem Freund noch weitere Knochen zu brechen – und wenn es sein muss mir auch. Mein kleiner Versuch, ihn zu besänftigen, hat uns aber glücklicherweise genau die paar Sekunden gekauft, die die Türsteher brauchten, um das Ganze zu bemerken und einzugreifen. Sein wütendes „I'll wait fou you guys and kick your ass!“ beunruhigt uns vorerst nicht wirklich. Neils Nase ist nicht unwesentlich am Bluten, aber ansonsten ist er unverletzt. Dummerweise kommen die Türsteher wenige Momente später erneut rein. Diesmal um uns raus zuschmeißen. Zwar kann ich sie davon überzeugen, dass wir nicht angefangen haben und daher auch kein Hausverbot verdient haben, für diese Nacht müssen wir trotzdem gehen, da wir involviert waren. Danke Neil, anscheinend werde ich mir heute Nacht nicht meine Amerikaflagge verdienen.
04:05 Wir sitzen vor dem Palace Hostel, als Met zurück vom Internetcafe kommt. Er ist außer sich beim Anblick der blutigen Nase seines besten Freundes und besteht darauf, sofort auf die Suche nach dem Brasilianer zu gehen. Wir können ihn jedoch davon überzeugen lieber mit Neil nach Hause zu fahren und den Tag für beendet zu erklären.
04:10 Auf dem Weg in mein Zimmer treffe ich einen meiner Roommates und lasse mich tatsächlich noch zu einem Trip ins Embassy verleiten um weiter zu trinken.
Nach einem 18-stündigen Saufgelage ende ich komplett fertig gegen halb 6 Uhr morgens endlich im Bett. Was für ein Wochenende.
Nach all dem Scheiß, den wir in dieser Nacht ungeschoren anstellen konnten, hatte das Schicksal für Met und Neil noch eine kleine Überraschung parat: Auf dem Rückweg zu ihrem Apartment wurde ihr Taxi von der Polizei kontrolliert und beide zu einer Strafe von 250 Dollar verdonnert – weil sie nicht angeschnallt waren. Gott findet anscheinend immer einen Weg Gerechtigkeit auszuüben.
Sowohl Neils Nase, als ich mein Fuß waren als Folge dieses Trips angebrochen. Noch Wochen später konnte ich nicht richtig laufen und seine Nase pfeift heute immer noch manchmal beim Atmen.
Des Weiteren hatte auch der Rest meines Körpers diese Tortur nicht sonderlich gut überstanden. Ich war Ganze zwei Wochen mit einem bösen Infekt krank geschrieben – und dass obwohl ich erst drei Tage zuvor Antibiotika abgesetzt hatte. Man kennt die Grenzen seines Körpers eben erst, wenn man sie ausgereizt hat.
Mir persönlich haben die Aktionen und Ereignisse dieser Nacht einmal mehr und ungeahnt deutlich gezeigt, dass man verdammt nochmal so gut wie jeden Scheiß machen kann und als Backpacker offensichtlich fast nie Konsequenzen davon hat. In Deutschland hatte ich in der Vergangenheit für wesentlich harmlosere Scheiße wesentlich mehr Ärger am Hals gehabt. Ich will niemand anstiften es zu testen, aber dort drüben scheint es wie in Vegas zu sein: Nichts zählt in Australien. Vielleicht gelten deren Gesetze ja wirklich nicht für Europäer.
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